Autor im Buch: Sascha Macht im Gespräch über sein Romandebüt „Der Krieg im Garten des Königs der Toten“

By 30. Juli 2016 Allgemein No Comments
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Im Frühjahr 2016 ist der Debütroman „Der Krieg im Garten des Königs der Toten“ (DuMont) von Sascha Macht erschienen. Die Eltern des 17-Jährigen Protagonisten Bruno Hidalgo aus Kajagoogoo sind über Nacht verschwunden, seinen Geburtstag muss er an diesem Tag also alleine feiern und sein Leben selbst in die Hand nehmen. Er beginnt Horrorfilme zu schauen, sitzt Tag und Nacht in seinem Elternhaus vor dem Fernseher und muss sich irgendwann doch mit der politischen Realität auf seiner Insel befassen, die in den 1940er Jahren infolge von Atomwaffentests des US-amerikanischen Militärs aus dem Ozean aufgestiegen ist. 

Mit Sobooks spricht der Autor Sascha Macht über Horrorfilme, die Konjunktur des Apokalyptischen in der deutschen Gegenwartsliteratur und über den Titel des Buches, der auch hätte anders lauten können. Weitere Fragen hat er direkt im Buch auf den Seiten 6 bis 12 beantwortet. Dort geht es um die „zum Schwachsinn neigende Popkultur der 80er Jahre“, um Porno- und Horrorfilme, um Snapchat avant la lettre  und um die Suche nach goldenen Tannenzapfen im Unterholz.

 

Sie haben vor ein paar Wochen beim Bachmannpreis in Klagenfurt gelesen. Als Autor wird man dort durchaus malträtiert. Haben Sie sich inzwischen davon erholt? Und nimmt man als Autor etwas aus Klagenfurt mit für das eigene Schreiben?

Mir hat es sehr gut gefallen in Klagenfurt und ich habe die Diskussion der Jury mit großem Interesse verfolgt. Drumherum war alles ziemlich heiter. Es gibt eine Kritikerhaltung in Bezug auf meine Arbeit, die ich vorher kannte. Aus den Rezensionen zu meinem Debütroman konnte ich diese Haltung schon ablesen. Für mich war nichts Überraschendes dabei. Und deswegen beeinflusst mich die Kritik nicht so wirklich. Ich habe Lust weiter zu schreiben. Das Format kannte ich und war vorbereitet. Ich habe am Literaturinstitut in Leipzig studiert, und dort haben wir uns jedes Jahr mit dem Bachmannpreis auseinandergesetzt. Ich bin also mit dem Wissen nach Klagenfurt gefahren, den Arsch vollzukriegen. Es hätte ganz anders laufen können und natürlich war einberechnet, dass es schiefgehen könnte. Und ganz schief gegangen ist es ja nicht. Die Diskussion war kontrovers. So sind auch meine Texte, sie gefallen nicht jedem.

Ihr Debütroman „Der Krieg im Garten des Königs der Toten“ ist im Frühjahr bei DuMont erschienen. Auf der Lit.Cologne 2016 wurden Sie mit dem Silberschweinpreis für das beste Prosadebüt des Frühjahrs ausgezeichnet. Ihr Debüt hat also sehr gut gefallen. Es liest sich wie ein Fiebertraum, aus dem der Protagonist Bruno Hidalgo aus Kajagoogoo einfach nicht aufwacht. Worum geht es?

Es geht um einen Menschen, der massiv mit äußeren Bedingungen konfrontiert wird und damit zurechtkommen muss. Sei es nun das eigene Aufwachsen oder eine bestimmte politische Situation, in der er sich wiederfindet. Es geht auch um die Suche nach Alternativen in einer vorgegebenen Wirklichkeit. So würde ich die Handlung ganz kurz und sehr abstrakt zusammenfassen.

Etwas weniger abstrakt gesprochen, trägt den Roman eine apokalyptische Endzeitstimmung. Das Apokalyptische hat Hochkonjunktur in der deutschen Gegenwartsliteratur, liest man in Kritiken der letzten Monate immer wieder. Denken wir beispielsweise an Thomas von Steinaecker und seinen Roman „Die Verteidigung des Paradieses“. Warum bei Ihnen diese düstere Endzeitstimmung, die Ihren Protagonisten Bruno nur nicht verrückt macht, weil er Tag und Nacht Horrorfilme schaut?

Ich sehe es gar nicht so düster. Für mich ist interessant an diesem Phänomen des Postapokalyptischen, dass es um die Auflösung und die Neuzusammensetzung von Strukturen geht. Nichts anderes sind diese Horrorfilme letztendlich, die ich im Roman etabliert habe. Sie erscheinen am Anfang natürlich noch als Trash und werden als grauenhaft abgetan, aber im Laufe der Handlung zeigt sich, dass es eigentlich Kunstfilme sind, die eine neue Wirklichkeit herstellen können, die wiederum durchaus mit Hoffnung beladen ist. So sehe ich die Parallele zur Handlung. Es geht darum, sich aufzuraffen und zu schauen, was will ich denn eigentlich, wie kann ich meinem eigenen Elend entfliehen. Das wird im Roman diskutiert. Am Ende wird es nur nicht unbedingt zu einem leuchtenden sozialistisch-realistischen Bild gemacht. Auf jeden Fall wird immer wieder angetriggert, dass es eine Bewegung ins Positive geben muss.

Deswegen finde ich besonders interessant, dass diese Dystopie im Feuilleton zwar aufgemacht wird, aber bis jetzt wurde noch nicht diskutiert, was das alles eigentlich bedeutet. Warum Autoren darüber schreiben. Ich glaube, dass wir gerade in schwierigen Zeiten leben und das nicht erst seit gestern. In der Literatur hat sich festgesetzt, dass man schaut: Welche Alternativen gibt es in dieser Wirklichkeit?

Im Roman gibt es eine Stelle, die diese Bewegung ins Positive, die Notwendigkeit, sich immer wieder aufraffen zu müssen, beschreibt.

„Tod und Leben sind dann eins, zusammengeführt durch etwas, das außerhalb meines Verstanden existiert und bisher bin ich immer wieder aus diesem Zustand, der nur ein Dazwischen sein kann, zurückgekehrt in den anbrechenden Morgen, zum Tag, erschöpft zwar, aber mit der unumstößlichen Gewissheit, auf einer endlichen Reise zu sein.“  

Ja, es gibt einige Stellen im Buch, die das politische und philosophische Grundverständnis deutlich zeigen. Hier ist es ein philosophischer Gedanke, den, wenn man das Buch liest, gerne noch einmal aufrufen kann. Ich bin eh ein Autor, der viel anbietet, aber nicht sagt, so muss es gelesen werden. Es gibt verschiedene Lesarten. So ist das Buch die Art Literatur, die für mich am angenehmsten ist, weil sie nicht allzu viel vorgibt.

Der Titel des Buches selbst ist recht offen. „Der Krieg im Garten des Königs der Toten“. Wie lässt sich der Titel auflösen? 

Für mich ist dieser Titel besonders gut geeignet, weil er einen ganz merkwürdigen Raum aufmacht, vor dem man steht und nicht weiß, was mache ich mit diesem Titel und was mache ich mit meinen Gedanken dazu. Man hätte das Buch natürlich auch „Der Horror“ nennen können. Mir ist wichtig, dass es einen Assoziationsraum gibt. Sei es den Titel, sei es die Handlung, sei es die Sprache betreffend. Das zieht sich durch mein Schreiben. Es muss immer etwas in Bewegung bleiben.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

Zum „Autor im Buch“ geht es hier entlang.
Die Lesung von Sascha Macht beim Bachmannpreis 2016 und die anschließende Diskussion der Jury können Sie sich hier ansehen.

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