Der eilige Gral der E-Book-Welt

By 26. Januar 2015 Blog 20 Comments
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Abgekühlter Qualm steigt auf.
Unsere Köpfe tauchen aus der zahnradratternden Maschinerie auf, ölverschmiert.

Aber grinsend. Denn das Gröbste ist geschafft, wir sind online seit etwas mehr als drei Monaten, haben die peinlichsten Bugs bei Sobooks beseitigt. Hoffentlich. Wir haben die ersten Projekte angeschoben und analysiert, die Vorform eines Arbeitsalltags zeichnet sich ab. In der Start-Up-Version, natürlich, die Form des Alltags, die taumelt zwischen Euphorie, Ernüchterung und Erkenntnis. Ein hervorragender Zeitpunkt, um fünf Schritte zurückzutreten und den Blick auf die Vision hinter Sobooks zu richten. Vielleicht ist „Vision“ etwas groß formuliert, man könnte auch „Lösung“ sagen oder noch besser: Lösungsversuch. Sobooks ist ein unternehmengewordener Lösungsversuch. Aber das Problem ist nicht irgendeins, sondern das größte, wichtigste und schnellstmöglich zu lösende Problem der E-Book-Welt. Und das ist keine Übertreibung (jedenfalls, was die Problembeschreibung angeht).

Das Problem ist: Wie werden E-Books sichtbar, wie entdeckt die Leserschaft E-Books? Schlagworte wie „Discoverability“ oder „Visibility“, seit Jahren in Fachmedien, auf entsprechenden Kongressen sowie in Stuhlkreisen der Buchwirtschaft immer wieder erwähnt und manchmal auch besprochen – sie zeugen von dem Buchproblem der Digitalisierung. Bücher verkaufen sich letztlich, weil die Leute sie irgendwo sehen. In Bahnhöfen, auf Flughäfen, in der Auslage von Buchhandlungen. Traditionelle, redaktionelle Medien, Zeitungen, Fernsehen, Radio, tragen zwar dazu bei und können einzelne Werke über Nacht zu Bestsellern machen. Aber das Gros der Bücher spielt in einer anderen Liga, einer Liga abseits auch nur der Möglichkeit eines Talkshow-Auftritts für die Autorin. Sie werden letztlich verkauft, weil man sie dinglich sieht. Nicht nur an den beschriebenen Orten, sondern auch in der U-Bahn, auf dem Tisch von Kollegen, in den Händen anderer Leute. Der Gegenstand Buch ist gewissermaßen die beste Werbung für sich selbst.

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Mit der noch immer rollenden E-Book-Welle aber wird das Problem der Sichtbarkeit immer größer, aus Gründen, die sich banal anhören, vielleicht auch banal sind (und trotzdem gibt es keine einfache Lösung): E-Books kann man nicht sehen. Die Kontaktpunkte im Alltag fehlen, und selbst in einer Talkshow ist es nicht gerade leicht, ein Werk hochzuhalten, das es nur als E-Book gibt.

Die Sichtbarkeit und die damit einhergehende „Entdeckbarkeit“ von digitalen Büchern ist nur zu einem kleinen Teil bei Amazon gelöst. Dort gibt es eine Reihe von Marketingmechanismen, die durchaus funktionieren. Das Problem damit liegt auf der Hand: Wenn der größte einzelne Händler zugleich allein bestimmt, welche Bücher sichtbar sind, dann ist die Machtkonzentration noch problematischer als ohnehin schon. Aber selbst wenn man Amazons Marktmacht ausblendete, gäbe es das Problem der Sichtbarkeit. Im Juli 2013 schrieb Evan Hughes auf Salon.com darüber und zählte auch Amazons Lösungsversuche wie „Look Inside“ auf. Und trotzdem kommt er zu dem Schluss, der auch heute noch gilt: „But so far Amazon has not cracked the discovery problem„. Ja. Niemand hat das bisher. Deshalb ist das der Gral, und eilig ist er deshalb, weil das Problem um so drängender wird, je selbstverständlicher E-Books werden. Digital ist besser, sagen alle möglichen Leute, mag ja sein, aber digital ist vor allem unsichtbarer. Doof in einem stark visuell funktionierenden Markt.

Die Flatrate für E-Books scheint dabei übrigens keine Lösung zu sein, sondern könnte das Problem eher noch verschärfen. Nebenbei bemerkt: Flatrates, Mietmodelle und Bundles sind auch aus Sicht der Buchwirtschaft nicht grundsätzlich doof, böse, schlecht, im Gegenteil können sie eine gute Ergänzung sein. Nur unterscheidet sich das Nutzungsverhalten bei E-Books sehr von dem bei Musik oder Filmen, weshalb man das Spotify-Modell oder Netflix nicht 1:1 kopieren kann. Vor allem, weil Leser zwar im Schnitt um die zehn Bücher im Jahr kaufen – aber das ist der Durchschnitt und nicht der Median. Will sagen: einige Intensivleser kaufen 50+ Bücher im Jahr, die große Masse aber liegt irgendwo bei drei bis vier Büchern. Eine simple Flatrate von etwa 10 Euro im Monat würde also den Umsatz der Intensivleser auf ein Zehntel zusammenschnurren lassen, während sie den meisten immer noch zu teuer erschiene. Insbesondere, wenn gar nicht alle E-Books teil der Flatrate sind. Da wird sicher noch einiges ausprobiert werden müssen (auch von uns), aber vor allem löst die Flatrate eben nicht das Problem der Sichtbarkeit.

Die Möglichkeit, alles lesen zu können, wirkt nämlich auf die Nutzer offenbar zunächst einschüchternd. Eine kleine Gruppe von Superviellesern kommt damit gut zurecht, aber der Rest erscheint überfordert. Die wichtigste Frage für den größten Teil der Leserschaft lautet ja: Was soll ich eigentlich lesen?

An dieser Stelle springt Sobooks aus dem Busch, und zwar in Richtung des oben abgebildeten Grals, für dessen leicht platte Symbolik wir uns vorauseilend entschuldigen wollen. Denn eigentlich ist das Problem der Sichtbarkeit im Netz längst gelöst. Und wird jeden Tag noch gelöster. Die sozialen Medien nämlich haben für die meisten digitalen, schriftlichen Medien die Funktion der Sichtbarkeit übernommen. Buzzfeed und ähnliche Seiten haben das konzeptionell und mit höchster Präzision zu Ende gedacht, sie begreifen soziale Netzwerke als ein reverses Schaufenster des Interesses. Nicht die Mediennutzer flanieren auf dem Boulevard der Aufmerksamkeit. Stattdessen sie sitzen rum, um der Boulevard der Aufmerksamkeit strömt an ihnen vorbei als Newsfeed.

Nur Bücher finden dort bisher kaum statt. Ernsthaft, der Buchmarkt ist 10 Milliarden Euro im Jahr groß allein in Deutschland, die Leute kaufen Bücher wie die Verrückten, aber sie tauchen kaum im Nachrichtenstrom auf Facebook auf. Das hört sich komisch an, aber ich hatte bei 1.400 Facebook-Friends im Jahr ein einziges Mal ein Kindle-ausgelöstes Posting in meinem Newsfeed. Als nämlich 2013 Holm Friebe sein damals neu veröffentlichtes Buch „Die Steinstrategie“ selbst auf dem Kindle ausprobiert hat. Das war’s. Sonst ist mein Facebook komplett frei von Büchern (nicht von Artikeln über Bücher, aber das ist ja nicht das Gleiche).

Alle reden über Sichtbarkeit, aber die wichtigste Sichtbarkeits-Plattform des Planeten, Facebook, wird in erster Linie dazu gebraucht, die Buchankündigungen zu posten, die schon gedruckt kaum je ein Buch verkauft haben. Ich muss aufpassen, dass ich mich nicht in Rage rede, denn auch wir haben ja nicht die goldene Lösung in der Tasche, sondern betrachten Sobooks als Versuch, diese Lösung überhaupt erst gemeinsam mit dem Publikum zu schaffen. Aber man kann fragen, warum eine Seite wie heftig.co allein mithilfe der sozialen Medien ein Millionenpublikum erreicht – aber Bücher „social“ so vor sich hindümpeln.

Wir glauben, dass das Internet selbst die Antwort ist. Der Kern von Sobooks ist ja nicht Social Reading im klassischen Sinn, Lesen war schon immer unglaublich „social“, schon vor dem Netz. Nein, der Kern ist, Bücher nicht (nur) zum Download anzubieten, sondern vernetzbar zu machen. Um die Kraft des Netzes und vor allem der sozialen Medien zu heben, und das heißt konkret, dass man Buchinhalte verlinken und zum Beispiel per Like in den Social-Media-Kreislauf einspeisen kann. Für den eiligen Gral der E-Book-Welt bedeutet das: Eine alte Erkenntnis der digitalen Sphäre kommt endlich in der Buchwelt an.

Der wichtigste Satz der Nachrichtenwelt im 21. Jahrhundert wurde von einem College-Studenten gesagt und von der New York Times am 27. März 2008 aufgeschrieben: “If the news is that important, it will find me.

Booom.

Da ist die Lösung des Problems der E-Book-Welt, ein Student hat sie schon 2008 nebenbei fallen lassen in irgendeiner albernen Fokusgruppe. Sichtbarkeit, Visibility, Discoverability – es geht gar nicht darum, wie die Leser E-Books finden. Sondern genau umgekehrt: Wie finden E-Books ihre Leser? Und schon durch die Umdrehung der Fragestellung wird ein guter Teil der Antworten klar:

• soziale Medien und E-Books müssen viel näher zusammenrücken: Bücher in den Newsfeed!
• die (digitale, soziale) Beziehung zwischen Autoren und Publikum ist ein der wichtigsten Schlüssel
• die Empfehlungsmöglichkeiten zwischen Lesern müssen technisch vereinfacht und qualitativ verbessert werden
• die essentiellen Diskussionen um Bücher brauchen einen organischen, nachvollziehbaren Ort
• und das E-Book braucht eine neue, zusätzliche Form des Leseerlebnisses, weil bisher Abgeschiedenheit Trumpf ist

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Gut, mögen manche einwenden, das sind jetzt auch keine brandneuen Erkenntnisse. Stimmt, wenden wir zurück – und trotzdem passiert in dieser Richtung viel, viel, viel zu wenig. Aber genau diesen, absolut naheliegenden und zu selten angestrebten Lösungansatz der größten Problems der E-Book-Welt versuchen wir mit Sobooks zu verfolgen, und jetzt, nach gut drei Monaten Technikstabilisierung unserer offenen Beta-Phase seid Ihr, das Publikum, herzlich eingeladen mitzuverfolgen.

20 Comments

  • Der Argumentation kann ich sofort folgen. Einfach die Bücher bisschen bunter machen, frei und zitierbar. Deep Links zu kurzen Abschnitten. Fertig ist die statische Webseite der 90er.

  • Ich finde es immer wieder interessant, wie wenig wir bis heute noch über die Kaufentscheidungen bzw. Kaufaktivierungen wissen, trotz Jahrzehnte langer Markt- und Konsumentenforschung. Und bei Büchern müssten wir es noch besser wissen, denn die Entscheidungen ein Buch zu lesen und damit auch erwerben zu wollen, dürfte seit Jahrhunderten unverändert sein. Und doch wissen wir es offenbar immer noch nicht.

    Für die wesentlichen Aspekte braucht es m. E. keine Forschung, sondern nur gesunden Menschenverstand. Ein neues Buch muss so schnell wie möglich von anerkannten „Multiplikatoren“ gelesen werden. Klingt wie eine Binsenweisheit, ist aber m. E. der Kern der strategischen Überlegung. Denn zunächst gilt es, herauszufinden, wer für mein Buch, mein Sortiment sich begeistern kann und zugleich in einer aktiven Lesergruppe anerkannt ist für sein Urteil.

    Die These „Lesen war schon immer unglaublich “social”, schon vor dem Netz.“ klingt zwar plausibel, greift jedoch zu kurz. Denn prinzipiell ist der Austausch über Bücher deutlich zäher als über andere Unterhaltungsmedien. Musik kann ich sehr schnell weiter empfehlen. Einen Film, eine TV-Serie, selbst ein Game lässt sich schnell mal posten mit dem Kommentar: „Wow, hör oder seh dir das an.“ Bei Büchern reicht das nicht. Und die Weiterempfehlung ist ähnlich zäh. Bekomme ich eine, der ich nachgehe, benötige ich auch erst mal Tage, wenn nicht Wochen, um mich zu überzeugen, dass auch ich das Buch weiterempfehle. Bücher sind also nicht wirklich geeignet, um sie viral über die sozialen Medien flux zu verbreiten.

    Ich denke, dass es in Zukunft deutlich mehr populäre Foren im Netz benötigt, in den sich die oben beschriebenen Multiplikatoren aufhalten und auch besucht werden. (Buch)-Blogger und Themen-Experten werden hier eine wachsende Rolle spielen. Ein engere Verbindung zwischen Autoren und Verlagen mit Bloggern und Themen-Experten sollte zu mehr Popularität der Foren und Bloggs beitragen.

  • Sascha Lobo Sascha Lobo sagt:

    Thomas, absolut. Als wir anfingen mit Sobooks, wollte ich ein paar Spezialisten fragen, wie genau der Buchkauf funktioniert. Was für Cover in welchen Bereichen „performen“, zum Beispiel. Niemand wusste auch nur einen Bruchteil davon, was in anderen Branchen zum absoluten Standard an Datenkenntnissen gehört.

    Das mit den Multiplikatoren würde stimmen, wenn es sie so eingegrenzt gäbe. Dazu gibt es ja Forschung, die sagt, dass letztlich jedes Buch seine eigene Multiplikatoren-Crowd aufbaut. Die stammt zwar immer aus dem gleichen (nicht großen) Pool, aber trotzdem macht das „den Multiplikator“ zu einer Art Einhorn.

    Und ja, Kuratoren sind definitiv ein Teil der Zukunft, auch in Vertretung von Autoren, die in ihr eigenes Buch gewissermaßen via Social Media hineinführen.

  • Danke, Sascha, da mag ich noch ergänzen, dass ich mir unter den Foren eine „Weide für Einhörner“ vorstelle. Und ich versteh auch die Blogger und Themen-Experten als jene Einhörner und nicht Kuratoren. Kuratoren könnten im zweiten Schritt auf Plattformen aktiv sein, wenn sie zugleich eine anerkannte Kompetenz in einer breiteren Lesergruppe haben – vergleichbar heute zu Kritikern und Top-Rezensenten.

    Letztlich fehlt es aktuell noch an Viralität unter den Einhörner. Es sind zwar einige schon sehr interaktiv, doch der Austausch in den Netzwerken, der erst durch Kommentieren, Teilen und Rebloggen richtig in Fahrt kommt, ist noch sehr zaghaft. Aktuell habe ich das in meinem kleinen Kosmos wieder wahrgenommen, als ich mir Social-Reading für Houellebecqs Unterwerfung wünschte. Keine Plattform nutze diese Chance offenkundig. Hab es dann über meinen Blog angeregt. Zwar gab es dazu gute passive Resonanz, doch aktiv wurde nur Jochen Kienbaum. Wir beide wünschten uns Dumont zumindest als „Promoter“. Doch von dort kam keinerlei Resonanz. Letztich wurde mir auch beim durchforsten des Netzes klar, dass viele hier ofenbar erst mal eigenbrötlerisch oder noch abwartend agieren. Bin gespannt, ob sich im Nachgang jetzt noch einige hinzugesellen. Gerne mehr hierzu unter: https://thomasbrasch.wordpress.com/2015/01/24/was-erlauben-bild-houellebecq-wie-flasche-leer-ich-habe-fertig/

  • Dass Bücher hauptsächlich über visuellen Kontakt verkauft werden, wie es im ersten Teil dieses Artikels anklingt, sollte mich wundern. Als ehemalige Vielleserin hab‘ ich vielleicht eins von hundert Bücher gekauft, weil ich es GESEHEN habe. Die 99 anderen deshalb, weil sie mir empfohlen wurden, weil ich von ihnen gehört, über sie gelesen hatte.

    Das Problem beim „Sichtbarwerden“ durch Multiplikatoren ist leider, dass sich die Lebenswelt der Lesenden und der Schreibenden/Kommunizierenden immer weiter voneinander entfernt.

    Wer irgendwo Multiplikator/in ist, hat damit meist genug zu tun (und evtl. daneben noch manches andere). Wer soll denn wann all die Bücher lesen, die einem zur „Rezi“ angetragen werden? Und WARUM sollte man das tun? Um einfach nur der jeweiligen Zielgruppe aktuelle „Bücher zum Thema“ anzubieten, reichen die bequem zu nutzenden AMAZON-Anzeigen gut aus: man kann selbst Bücher auswählen oder einen ALGO machen lassen. Das ist dann wahrlich besser als stumpf Klappentexte zu Blogartikeln zu wandeln!

    Die Idee, engagiert LESENDE zu kurzen oder langen Texten über ihr Leseerlebnis zu bewegen (die ich dann bloggen würde), musste ich aufgeben. Wer viel und gerne Bücher liest, will oder kann oft nicht drüber schreiben, hat dazu weder Zeit noch Lust und nicht mal ein Honorar ändert daran etwas.

    Die Sobooks-Idee, Absätze/Zitate teilbar zu machen und „in den Büchern“ eine Diskussion zu ermöglichen, finde ich spannend. Mal schauen, wie das umgesetzt wird… vielleicht treffe ich ja bald solche Auszüge in den Timelines. :-)

  • fotiffi sagt:

    Meine spontane Idee beim Lesen dieser Seite war: Dummi-E-Books, also ein Stück Pappe in Buchgröße mit Cover, Klappentext und: QR-Code. Die kann man dann in den Buchläden zwischen die Bücher streuen. Man kann sie, wie die anderen Bücher auch, käuflich erwerben, hat was in der Hand und für mehr Infos scannt man den QR-Code. Sichtbarkeit und Anbindung an digitale Medien (Smartphone) wären so gegeben, der potenzielle Leser könnte im Buch stöbern. Es gäbe dann eine „zufällige Seite“-Funktion als Leseprobe. Und den Anfang, den kann man auch lesen, Geschmäcker sind ja verschieden.

    Für meine E-Books (aber auch für richtige Bücher) hätte ich gerne eine barrierefreiere Teilungsmöglichkeit und Plattform – bisher handhabe ich es via Foto und upload bei Flickr. Das .jpg-Format ist aber halt auch kein Text, Bild bleibt Bild. OCR-Texterkennungs-App (SmartOCR: Text Miner) läuft stabil – aber wohin mit den Texten? Quipio (Zitate und Texte teilen) gefällt mir nicht. Bleibt auch die Frage, wie Zitate und Texte mich finden, ich will ja nicht allen Rosmundepilcherschrott abbekommen. Ich persönlich finde ob der fehlenden Materialität bei E-Books (und genauso bei Musikdateien) Cover sehr hilfreich. Sie bieten optische Orientierung, auch in digital. Ich stelle mir nun also eine App vor, die Folgendes ermöglicht:
    a)Ich kann Texte/Zitate einfügen und veröffentlichen, am besten kann die App selber OCR anwenden. Sie ermöglich die Angabe von Autor, Titel etc. bzw. bietet diese Angaben an, sofern hinterlegt.Auch das Cover wird eingeblendet, als optische Referenz.
    b)Ich kann mir ein Profil erstellen, aufgrund dessen ich Zitate anderer App-Nutzer bekomme: Der Text findet mich – idealerweise. Verfeinerungen erfolgen auch aufgrund meiner Veröffentlichungen à la last.fm. Es gibt aber auch eine Zufallsfunktion, damit ich mich nicht im literarischen Kreis drehe.
    c)Es gibt eine Klassifikation nach Roman, Nachrichten, Wissenschaft und dergleichen. Ich kann selber stöbern, wenn mir danach ist und mir anzeigen lassen, was andere User markiert oder kommentiert haben. Wichtig wäre mir hierbei auch wieder eine optische Referenz.
    d) Ich kann Inhalte via Messenger (Threema, Whatsapp etc.)mit Freunden teilen, ohne dass diese jene fiktive App besitzen.
    e) Finanzierung? Möglich über Kaufoption für Bücher, der Inhalt derer sollte schon Werbung genug für sie sein, ein Zitathäppchen macht einen interessierten Leser ja nicht satt.

    Ich lese viel am Kindle, die Option Markierungen anderer Leser anzeigen zu lassen habe ich allerdings nicht aktiviert, Lesezeit bedeutet mir Ruhe, zwischen Text und mir braucht es Entfaltungsraum und das kann ich nicht, wenn ich ständig abgelenkt werde. Mittels einer App wäre es mir möglich, auch Texte vom Kindle mittels OCR zu veröffentlichen – ich schätze das Geräte gerade, weil ich nicht wie bei einem Tablet „mal eben“ dazu übergehen kann, im Internet zu recherchieren oder zu posten. Veröffentlichungen und Stöbern würden zeitversetzt erfolgen, wenn ich fertiggelesen habe.

    • @ fotiffi gebn …“Für meine E-Books (aber auch für richtige Bücher) hätte ich gerne eine barrierefreiere Teilungsmöglichkeit und Plattform …“ … dem kann ich nur zustimmen! Seit dem Ende von https://readmill.com/ (hier gab es einen unglaublichen Button „Import yopur Kindle Highlights“!) experimentiere ich immer wieder mit https://www.goodreads.com/quotes/list/4631957 .. aber dort ist die „quotes“ abteilung wirklich nicht intuitiv zu handlen.
      Ich möchgte Booksmarks setzen und Randbemerkungen machen, was ich schon immer in Büchern beim Lese-Prozess extensiv gemacht habe, sowohl in Sachbüchern als auch in Romanen – und diese Funktionen digital, im Browser meinetwegen (es muss nicht unbedingt eine App sein!) und dann möchte ich diese „Eselsohren“ (Bookmarks) und „Randbemerkungen“ („Quotes“ bei Amazon, „Kommentare“ bei sobooks) teilen – das kann doch nicht so schwer sein …
      .. den beisherigen Absatz von sobooks finde ich dazu schon ganz gut:
      “ jeder kann ohne Kauf mindestens zehn Seiten lesen und hiervon Auszüge legal sharen. Das ist „der Witz“ an Sobooks. Und das ist rechtlich mehr als das Zitatrecht erlaubt “
      (Christoph Kappes in einer Facebook-Diskussion: https://www.facebook.com/martin.lindner/posts/10152999270611391?comment_id=10153000211076391&offset=0&total_comments=26)
      … fände es aber gut, wenn die Abteilung (gemein)freie e-books https://sobooks.de/gemeinfrei ausgebaut wird – dazu habe ich einen Aufruf zum gemeinschaftlichen Sammeln freier E-Books gestartet:
      http://www.tricider.com/brainstorming/334MX73VwXB

      Bin auf die weitere Entwicklung von sobooks sehr gespannt!

      Heiko

  • Onkel Hotte sagt:

    Also „social“ finde ich Bücherlesen überhaupt nicht, bzw was soll ich mir darunter vorstellen ? wenn cih Bücher lesen, tu ich das nicht nur alleine sondern möchte dabei auch nicht gestört werden. Im Zug eine prima Möglichkeit jeder sozialen Interaktionen aus dem Weg zu gehen 😉
    Ansonsten bin ich tatsächlich eher die Art von Leser die lieber in die Buchhandlung gehen um dort zu stöbern. Das funktioniert bei amazon und co eher weniger gut bzw habe ich nur mal gemacht wenn ich noch ein Geschenk für jemand Anderes suchte.
    Wenn sobooks.de das ändern möchte, nur zu. Finde ich gut, die Idee, die Umsetzung kenne ich noch nicht. Es wäre schon Fortschritt wenn es mehr Seiten wie http://titel-kulturmagazin.net/ geben würde.
    Warum heftig.co soviel Klicks hat ? Naja, das weiß du doch, Sascha. Billige Schalgzeilen, das sollten Bücher nicht nötig haben. Aber wer weiß, vielleicht macht thalida.de auch mal einen Schritt in diese Richtung ?

  • Enno sagt:

    Vermutlich bin ich nicht Zielgruppe dieses Gedankenganges, der mir durchaus gefällt, denn Lesenswertes finden ist tatsächlich nicht immer einfach und das letzte, was mir dabei hilft, sind Bestsellerlisten oder Amazon-Empfehlungen. Allerdings ist mein (First-World)-Problem ein anderes: Ich merke, wie ich Papierbücher immer weniger akzeptiere. Sie sind trotz ihrer typografischen Schönheit dem eBook in vielerlei Hinsicht unterlegen und bleiben hier schon deswegen ungelesen liegen, weil es für mich fast immer praktischer ist, eBooks auf verschiedenen Devices zu lesen. Leider bekomme ich die wenigsten deutschen Titel als eBook und wenn, dann zu oft unverschämten Preisen. Allein das führt dazu, dass ich immer mehr englischsprachige Bücher lese, einfach weil ich sie unkompliziert bekommen kann. Dabei wäre es rein technisch gesehen längst möglich, einfach jedes beliebige Buch online als eBook anzubieten und einen großen Pool zu schaffen, aus dem ich mir nehmen kann, was ich brauche. Sobooks wird genau dies natürlich nicht leisten können. Amazon kommt dem am nächsten, kettet mich aber leider an ein Endgerät, das ich nicht will. Die letzten beiden e-Book-Käufe: Knaus schickt mir eine Datei, die nicht das eBook selbst ist, sondern ein Token, mit dem ich das DRM-geschützte e-Book herunterladen kann, allerdings nur, wenn ich den Reader von Adobe installiere. Um das eBook dann woanders zu lesen, brauche ich noch eine App von books.de und einen weiteren Account und muss mich erstmal an den Rechner setzen, um Passwörter nachzusehen, obwohl ich eigentlich am Tablet lesen will. Aber Sobooks zeigt, dass es auch anders geht. (Und fairerweise auch Bastei-Lübbe, von denen ich nach Online-Kauf einfach ein frei kopierbares epub erhielt. Das enthält vermutlich ein Wasserzeichen, aber das ist ok, ich will ja niemanden um seine Einnahmen bringen, sondern Texte lesen).

  • Sascha Lobo Sascha Lobo sagt:

    Ja, hartes DRM ist schlimm und aus meiner Sicht nicht nur unnötig, sondern zugleich marktverhindernd und Amazon stärkend (weil man dort kein DRM spürt, als NormalnutzerIn. Das, was Du imaginierst, Enno, streben wir an. Es ist so mittelleicht, aber wir arbeiten daran.

    Claudia, das mit der Visibility, dem „Sehen“ von Büchern als Verkaufskritierium, das ist ja nicht meine Erfindung, sondern der Text, den viele Experten seit Jahren sagen, unter anderem im verlinkten Artikel (salon.com). Was Thomas Brasch sagt, stimmt natürlich auch, die Buchbranche weiß über ihre Kunden, ihre Produkte, ihre Verkaufsprozesse außerordentlich wenig, im Vergleich zu ein paar anderen Branchen sogar praktisch nichts (Amazon ist da eine Ausnahme, aber gibt das Wissen halt nicht wirklich weiter).

    Aber wenn man sich dem Buchverkaufsprozess annähert, dann scheint der über eine Reihe von Kontakten mit dem Buch zu laufen, erst liest man einen Artikel, dann spricht ein Kollege drüber, man bekommt vielleicht sogar eine Empfehlung – aber die tatsächliche Kaufentscheidung findet im direkten Kontakt statt, zum Beispiel in der Buchhandlung. Daher sind ja auch die Tische vorne in der Buchhandlung so wertvoll: Kunden kommen in den Laden und sehen das Buch, über das sie vor einer Woche sprachen oder über das sie einen Radiobeitrag gehört haben. Sehen sie es dann nicht, sinkt die Chance, es zu kaufen, dramatisch. Deshalb ist die Sichtbarkeit so relevant, gewissermaßen als „Reminder“. Und wie oben beschrieben, es geht nicht um die „book lovers“, die ohnehin 30+ Bücher im Jahr kaufen. Sondern um diejenigen, die gern lesen, aber vielleicht nicht so viel Zeit übrig haben dafür, und deshalb mit vier, fünf, vielleicht acht Büchern im Jahr auskommen. Die machen halt wesentliche Teile des Marktes aus.

  • Martin sagt:

    Ich habe mich gerade zum Test bei Sobooks angemeldet und zwei ebooks geöffnet. Im Profil steht, ich hätte die Bücher „gelesen“ und sogar „gekauft“.

    Ich denke, ich habe habe eine vollkommen andere Vorstellung vom Lesen als ihr.

    Nun zum Blogpost zwei Gedanken und eine Info aus meiner Erfahrung:

    Gedanke 1:
    Lesen ist für mich erst einmal unsocial. Gespräche oder Äußerung über und zu Büchern entwickeln sich hinterher ganz unterschiedlich.
    Über vieles, das ich lese, rede ich nicht oder nur in sehr kleinem Kreis, oft sind es die besten Bücher.

    Gedanke 2:
    Du schreibst:

    „Und wie oben beschrieben, es geht nicht um die “book lovers”, die ohnehin 30+ Bücher im Jahr kaufen. Sondern um diejenigen, die gern lesen, aber vielleicht nicht so viel Zeit übrig haben dafür, und deshalb mit vier, fünf, vielleicht acht Büchern im Jahr auskommen.“

    Ich vermute dass diejenigen die Bücher in Papierform hauptsächlich geschenkt bekommen.

    Zum Schluss die Info:

    90% der Bücher, die ich lese, kommen über’s Netz. Es reichen: ein Icon, eine Inhaltsangabe, ein aussagekräftiger Textauszug (damit ich die Sprache beurteilen kann) ein Kauf/Download-Link.

    Damit ist ein Buch sicht- und teilbar.

  • Aktuelle Studie zu ebook Flatrate-Nutzern kreist schon mal etwas die Kerngruppe ein und erweckt Fantasie für diverse Angebotsmodelle : http://www.buchreport.de/nachrichten/online/online_nachricht/datum/2015/01/27/sie-kaufen-mehr.htm

  • Jochen Bamberge sagt:

    @Sascha Lobo: Du schreibst über sogenannte „Datenkenntnissen“, die in anderen Branchen zum absoluten Standard gehören – aber in der Buchbranche fehlen. Ich möchte in diesem Zusammenhang an eine Diskussionsrunde erinnern, die vier Redakteure des Börsenblatts mit drei anonymisierten Vertretern der Buchbranche im Jahr 2008 geführt haben.

    Ein Vertriebsleiter eines Verlages erklärte damals, dass eine Buchhandlung mit einem Umsatz von 1 Million Euro häufig auf eine Remissionsquote von 60 bis 70 Prozent kommt. Aus keiner anderen Branche kenne ich vergleichbare Zahlen – und Remissonen gelten schon immer als echter Kostentreiber. Zum Vergleich: Der Vertriebsleiter nannte für Amazon eine Remissionsquote von 0,5 Prozent!

    Anstatt in die Datenanalyse einzusteigen und zu fragen, warum der klassische Buchhandel so schlecht verkauft und Amazon so gut, haben die Redakteure mit ihren Gesprächspartnern weiter über Rabatte, Boni und Buchpreisbindung geredet.

    Nun – warum haben diese Bücher (trotz der Sichtbarkeit) nicht ihre Leser gefunden und mussten remittiert werden? Wenn Sobooks darauf eine Antwort hat, dann habt Ihr wirklich den heiligen Gral entdeckt – wenn sich die Erkenntnisse dann auch auf digitale Bücher übertragen lassen. 😉

    (Quelle: http://www.boersenblatt.net/188910/ )

  • […] sich die Verlagswelt, besonders die unabhängigen und kleinen Verlage, heute mehr Sichtbarkeit und Wahrnehmung wünschen, finden sie die besten Bedingungen dazu, die es je gab. Nur setzen diese […]

  • Andreas von der Heydt sagt:

    Wir sollten einfacher denken. Mögliche Lösungsvorschläge nicht gleich abtun. Jede Initiative, die das Lesen mehr ins Bewusstsein der Leser – und insbesondere potentieller Leser rückt – ist per se eine gute. Wir sollten mehr unternehmen, um das Lesen zu fördern, es (wieder) hipp und trendy zu machen. Wir müssen den Staub der Zeit wegblasen, um Bücher (egal ob e, p, audio oder was auch immer) erfolgreich im Wettbewerb mit Apps, Video Streaming usw. zu positionieren.

  • Adrian sagt:

    Hier wird mir Sascha Lobo zwar leider nicht direkt antworten, aber ich kann meinen rednern einfach nur zustimmen.

    Es muss einfach sein. Geschäftleute denken zu kompliziert.

    Wir müssen den Bauarbeiterer, die Krankenschwester oder eben den Feuerwehrman erreichen können. Das sind die Kundengruppen, die aufgekärt werden müssen.

    Viele Grüße

  • Thomas Schlosser sagt:

    Lese-Experience auf mobile first!

    „Social reading“ mag nett sein, aber zunächst muss das offline und gescheit auf mobilen Geräten funktionieren.
    Der Rest mag sich entwickeln, abgeneigt wäre ich nicht, aber vorausschauend auch nicht euphorisch.

    Ich habe mir zu früher Stunde zwei Bücher bei Sobooks.de gekauft und bei beiden bin ich nicht über das erste Kapitel hinausgekommen, weil mir das Leseformat absolut nicht gefallen hat (Browser, 1 Buchseite nicht gleich 1 Bildschirmseite, online only). Ich will so etwa die Lese-Experience wie bei Kindle-App oder den einschlägigen epub readern.
    Solange das Lesen keinen Spass macht, werde ich auch nicht „social“.

  • Marcel Zufferey sagt:

    Ob die Bücher ihre Leser finden und nicht umgekehrt, ist im Internet eine durchaus berechtigte Frage. In der analogen Welt hingegen rühren die Verlage für einzelne ihrer Autoren tüchtig die Werbetrommel. Erst dann werden sie sichtbar. Und auch gekauft.

    Ich glaube nicht, dass die digitale e-Book-Welt ohne die analoge Welt grosse Erfolge verzeichnen kann. Zumindest auf absehbare Zeit nicht. Die digitale muss vielmehr mit der analogen Welt verschmelzen. Es muss also sowohl on- wie auch offline Werbung gemacht werden. Speziell für Erstautoren, die sich überlegen, ihren Erstling als e-Book zu veröffentlichen, stellt sich die Frage, wie man Aufmerksamkeit generieren kann. Nur fehlen einem dazu i.d.R die Mittel: Werbung ist schliesslich nicht gratis!

    Das Netz bietet einem ambitionierten Autoren durchaus Möglichkeiten, die finanziellen Mittel aufzubringen: Crowdfunding heisst hier das Zauberwort! Sobald ein bestimmter Betrag zusammen gekommen ist, macht man sich mit einer Multimediaagnetur daran, eine virale Kampagne im Bereich der sozialen Medien aufzuziehen. Etwas Guerillamarketing in der analogen Welt dürfte in diesem Zusammenhang ebenfalls notwendig sein. Der ganze Rest ist Glückssache. Und nicht zuletzt auch eine Frage der Beziehungen.

  • Ralf Hilgenstock sagt:

    Mir scheint, eigentlich sind wir Leser oft überfordert etwas auszusuchen. Warum lassen wir ssn nicht überraschen, verführen, hinleiten von anderen. Die Buchgemeinschaften hatten dieses Prinzip in den 60er/70er Jahren. Als Mitglied bekam man ein Buch im Quartal zu Sonderkonditionen zugesandt. Ein Auswahlband. Ausgewählt hat die Buchgemeinschaftsredaktion. Vielleicht kann man das re-animieren.
    Nikola Richter hat mirt ihrem Mikrotext-Verlag gerade den Versuch gestartet das Abo-Prinzip für eBooks einzuführen. Auch nicht schlecht

  • Fritz Iv sagt:

    Ich glaube, es gibt da 2 Fragen. Die eine ist die nach dem „sozialen Lesen“, die andere die nach der sozialen Verbreitung von Büchern.
    Ich fange mal bei der zweiten an: Amazon hat ja schon viel getan, dass die Verbreitung von Büchern noch stärker als früher über Mundpropaganda läuft. Auf der Plattform geschieht einiges. Auch die Recommendation-Idee: „Leute, die X gekauft haben, haben oft auch Y, W, V und Z gekauft, bildet ja einen sozialen Connex. Ich würde sogar vermuten, dass der Erfolg der Genre-Amateur-Schreiberei nur dich die sozialen Mechanismen zu erklären sind, die sich bei Amazon finden und die von dort aus auch in die Social Networks diffundieren.
    Eure Idee, einzelne Sätze direkt beim Lesen rauszuschicken in die Netzwerke, ist aber natürlich ein neuer, sehr starker Booster und könnte für Bücher ein Glücksbringer sein, vor allem auch für Bücher, die sich nicht so leicht über irgendwelche vordergründigen Genre-Thrills verkaufen. Das hängt von Teilnehmerzahlen ab, logisch, aber die Idee würde ich – wenn ich Verlagsleiter wäre – für ziemlich grandios halten. Nur zur Erinnerung: Eine der langlebigsten und erfolgreichsten Zweitverwertungsreihen Deutschlands ist mit dem Marketingtrick des aus dem Zusammenhang gerissenen, aber in sich super schönen, super verlockenden Zitats groß geworden – die Bibliothek Suhrkamp. Remember? Bei sobooks können genau so Bücher uns mit ihren eigenen Sätzen zuwinken. Für die User enthält das „sharen“ einzelner Sätze direkt aus den Büchern auch einige interessante psychologische Belohnungen, zudem kann dann das Gespräch auch außerhalb von Sobooks starten („Liest du das gerade?“ „Wie findest du das?“ „Hab ich auch gelesen…“). Für mich also gar keine Frage, dass Sobooks enormes Potenzial hat, die soziale Verbreitung von Büchern zu fördern, „die für sich selbst sprechen“ – die Verlage müssten nur ihrerseits vielleicht mal damit beginnen, die Plattform zu fördern? 😉
    Wie attraktiv „soziales Lesen“ ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Es wird ja keiner gezwungen, Anmerkungen zu tätigen oder zu lesen. Ich finde Kommentare und Exegese durchaus attraktiv, solange sich am Rand kein bloßes Chit-chat findet. Ich habe schon früher in Bibliotheken bzw. in antiquarischen Büchern immer sehr spannend gefunden, wo andere Fragezeichen gemacht haben, etwas notiert haben, etwas als Wichtig hervorgehoben haben. Im Idealfall werden z.B. Fachbücher dadurch „enriched“. Das ist im übrigen eine alte Geschichte – das „Kommentieren“ von Büchern wurde vor einigen Jahrhundert praktisch Teil der Wissenschaft. Was ist Germanistik anderes als eine Kommentierwissenschaft? Schulphilosphie genauso. Gesetzestexte ebenso. Diese Gespräche rund um Bücher ziehen sich manchmal über Jahrhunderte hin. Ich könnte heute in die Bibliothek gehen und finde dann vielleicht irgendwo am Rand eine Bemerkung von einem Studenten von 1920 (hehe, bin noch dankbar für eigene Anmerkungen in der Schullektüre). Genau für solche „Gespräche“ wäre sobooks die Lösung im E-Books-Bereich. Da können Anmerkungen verwahrt werden, sind an die betreffende Seite geheftet, und damit entsteht da vielleicht in dem einen oder anderen Buch mit den Jahren (!) ein Kommentarschatz – hängt von der Qualität der Leser ab. Vermutlich bildet sich aber um jedes Buch die entsprechende „literariche Öffentlichkeit“, letztlich liest ja ein Buch nur durch, wer man sich dafür begeistert. Auch da sehe ich grandioses Potenzial. Es hängt eventuell davon ab, dass die Kommentierer ein bisschen vorsichtig mit der Funktion umgehen (hint to myself) und eventuell auch mal überflüssige Bemerkungen oder abgearbeitete Fragen wieder löschen. Und das Nichtssagende einfach einmal auch nicht sagen.
    Aber lassen wir doch mal unsere Phantasie schweifen … wie wäre es, wenn z.B. „Geschichte des Westens“ von Winkler ein Kommentar-Leben durch die Historiker-Leser eingehaucht bekäme? Wie gerne würde ich, kein Historiker, das lesen! Und wie gerne würden andere Historiker lesen, was z.B. einer wie Jürgen Osterhammel hier oder dort notieren würde? Bis heute verstecken sich die Anmerkungen der „Kollegen“ in ihren Handexemplaren,gehen dann ins Marbacher Archiv, sinken für immer ins Vergessen. Aus der Sicht des heute Möglichen ist diese Abschottung blöd, um nicht zu sagen: unproduktiv. Das ganze ist doch eine ideale Plattform für uns Introvertierte, um miteinander Gespräche zu führen, ohne dass wir dafür extrovertiert werden müssen 😉

    (Nebenbei: Ich würde gerne von meinem Samsung Notes Sätze aus Sobooks-Bücher versenden bzw. auf dem Ding eine Randnotiz machen, aber das klappt nicht. Es schiebt sich immer die systemeigene-Markierungsfunktion des Geräts vor die von Sobooks. Ist das Problem bekannt? Kann man was dagegen tun?)

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