Do it Heinzer Style: Ada Blitzkrieg kommentiert Heinz Strunks Roman „Der goldene Handschuh“

By 25. März 2016 Allgemein No Comments

Autoren kommentieren Autoren: Immer mal wieder laden wir Autoren ein, Kommentare in einem Roman zu hinterlassen, der ihnen gefällt. Den Anfang macht Ada Blitzkrieg, die für VICE Munchies über Essen schreibt und Autorin zweier Überfliegerromane ist, wie sie selbst sagt. Sie ist eine der bekanntesten deutschen Twitterer – @bangpowwww folgen 27.000 Menschen – und sie besitzt einen Selfie-Stick, den sie auch benutzt. 

Wer den Debütroman Dackelkrieg. Rap und Rouladen von Ada Blitzkrieg gelesen hat, der weiß, dass Heinz Strunk sie mit seinen Büchern sozialisiert hat. Eine in ihren Details nicht immer schöne Geschichte über Akne und eine Jugend „auf dem abgefuckten Land“ verbindet den Dackelkrieg mit Fleisch ist mein Gemüse. Er habe sie mit seinen Romanen immer genau dort abgeholt, wo sie gerade war, mit ihren Gedanken, Sehnsüchten und Ideen, so schmierig das auch klingen mag, erzählt sie auf die Frage nach ihrer literarischen Beziehung zu Heinz Strunk. Und weiter: „Phantasie ist schön und gut, aber ein Abgleich mit den Gedanken anderer ist Balsam. Für eine solche Auseinandersetzung nutze ich Literatur. Der Buchmarkt wirft aber immer die gleichen Themen und Gedankengänge auf und ich giere nach direkter Ansprache und sprachlichem Brutalismus.“

Für Ada Blitzkrieg ist Strunks Dokumentarroman über den Serienmörder Fritz Honka sein bisher bestes Buch, obwohl es dieses Mal nicht um Akne geht. Fiete, wie Fritz Honka von seinen Freunden in der Hamburger Absturzkneipe Zum Goldenen Handschuh genannt wird, hat zwischen 1970 und 1975 vier Frauen ermordet und zerstückelt. Teils hat er die Leichenteile weggeschafft, teils hat er sie über Jahre in seiner Wohnung versteckt. Die Mieter des Hauses beschwerten sich erfolglos über den Gestank. Erst durch einen Hausbrand wurde die Polizei auf ihn aufmerksam, Leichenteile wurden gefunden und Honka wurde zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt. Auf Facebook hatte Ada Anfang März nach der Lektüre gepostet, dass Der goldene Handschuh von Heinz Strunk so ziemlich alles sei, was sie von einem guten Buch erwarte.

Auf die Frage, was denn für sie ein gutes Buch ausmacht, hat sie geantwortet: „Im Wesentlichen eigentlich, dass ich mich in der durch den Autor konzipierten Welt zurechtfinde. Daher ist der Inhalt, also das eigentliche Thema, erstmal herzlich egal. Die Strukturen müssen mit meiner Art zu denken und meiner Geschwindigkeit übereinstimmen. Ich bin nicht bereit Bücher zu lesen, durch die ich mich ‚kämpfen‘ muss. Ich verweigere mich dem Konsum mittelguter Bücher.“ Und warum ist Der goldene Handschuh ein gutes Buch? „Es lebt von einer feinen Beobachtungsgabe, von Details und von Momenten, die ziemlich intensiv in einen hinein- und nachwirken. Ich schätze, es hat mir sehr gefallen wie viel Liebe man zwischen den Zeilen herausliest. Ich kenne derzeit kein Buch, das den Balanceakt zwischen Milieubeschreibung, Härte, Realismus und ironiefreier Begeisterung so leichtfüßig hinbekommt. Es geht nie um ein sich Lustigmachen, sondern immer um ein Abbilden.“

Und weil sie das Buch so mag, hat sie für uns 9 Kommentare darin hinterlassen:

Heinz Strunk schreibt:

Ada Blitzkrieg sagt:

Auch einer der Gründe, warum ich mich bei der Auswahl eines Salons immer für den Friseur entscheide, der seine Mitarbeiter angemessen bezahlt.

Heinz Strunk schreibt:

Ada Blitzkrieg sagt:

Wenn man die Adjektive in ‚fülligen‘ Sätzen tauscht, ergibt sich zwar einerseits ein komplett neues Bild, das aber andererseits am Ende doch stimmungsmäßig das Gleiche ist. Do it Heinzer Style: „… der eingedrückte Mann mit dem riesigen Gesicht und den kleinen Händen.

Heinz Strunk schreibt:

Ada Blitzkrieg sagt:

Standard. Ein bisschen wie in der Zeitschriften-Ecke bei McFit zu sterben.

Heinz Strunk schreibt:

Ada Blitzkrieg schreibt:

So viel sei verraten: Ein Drip-Coffee Yirgacheffe ist es ebensowenig wie ein Moscow Mule oder eine Club Mate.

Heinz Strunk schreibt:

Ada Blitzkrieg sagt:

Wo sind Kaubonbon-Kurt, Trichterbrust-Tina, Kimmen-Kai und Haigesicht-Hanni?

Heinz Strunk schreibt:

Ada Blitzkrieg sagt:

Könnte mal bitte jemand Kontakt zu Heinz Strunk aufnehmen und ihn fragen, ob er beim Schreiben an Dieter the Budgie denken musste?

Heinz Strunk schreibt:

Ada Blitzkrieg sagt:

Hat sich diese Weisheit schon jemand tätowieren lassen?

Heinz Strunk schreibt:

Ada Blitzkrieg sagt:

Hier greift das gute alte Sprichwort: „Die Früchte vor lauter Marmelde nicht mehr sehen.“

Heinz Strunk schreibt:

Ada Blitzkrieg sagt:

Ich bewundere Heinz für seine treffsicheren Metaphern. Bei mir tut sich dann immer ein gewaltiges Kopfkino auf. Was ist schlimmer als abgeschaltet zu sein? Abgeschaltet zu sein und die Fernbedienung fehlt!

 

Dankeschön Ada Blitzkrieg!

Zu Fritz Honka in den goldenen Handschuh geht es hier. Ada Blitzkrieg finden Sie hier auf Twitter, und ihre Bücher finden Sie über ihre Homepage.

 

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