Erste Schritte, nächste Schritte

By 17. Oktober 2013 Allgemein, Blog No Comments
launch

So.

Rund 24 36 48 Stunden 3,5 Tage nach unserem Launch am Sonntag Abend ist genau der richtige Zeitpunkt, um zu sortieren und zu bewerten. Und natürlich, um anzukündigen. Personen, die den Werdegang von sobooks verfolgt haben, wissen um unsere fantastische Ankündigungsfähigkeit. Die wollen wir weiter ausbauen, denn beinahe nichts ist für die Motivation so zielführend, wie einer großspurigen Ankündigung hinterherzuperformen. Aber eben nur beinahe, denn –

danke.

Vielen, vielen Dank, für das irrwitzig große Interesse und auch für das positive Feedback. Aber auch: für das negative Feedback. Denn (noch vor der Ankündigung) am allerbesten für unsere Arbeit ist, wenn wir von denen hören, für die sie bestimmt sein soll. Also von der Nutzerschaft, von Autorenseite, Verlagspartnern, Multiplikatoren. Wir haben dafür zwar einen Rückkanal (Lasche an der Seite) eingebaut, eine Mailadresse eingerichtet und scannen die sozialen Netzwerke. Aber die Nutzer wollen offensichtlich mehr, bzw. einen Ort, wo über sobooks-Features diskutiert werden kann. Den werden wir demnächst einrichten.

Das bisherige Feedback hat unsere Prioritäten für die nächste Zeit zwar nicht völlig verändert, aber zurechtgerüttelt, daher kommt hier unsere Planung der nächsten Schritte.

Closed Beta
Die Closed Beta in ihrem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf, und ich fürchte, das wird auch noch eine Weile so bleiben. Ab ungefähr nächste Woche werden wir aber auf Twitter und Facebook und über unsere Leser- und Vielleser-Listen neue Codes vergeben.

Wirklich Beta
Wir haben es schon oft geschrieben und gesagt – aber hier halt nochmal, weil es wirklich wichtig ist: sobooks ist in der Beta-Phase, und das heisst, dass noch nicht alles bei jedem funktioniert, wie es soll. Das ist beim persönlichen Gebrauch bitte zu berücksichtigen, einige Browser, dIE ich jetzt nicht explizit erwähnen möchte, funktionIEren nur so mittelschlecht.

Öffentlichkeit & Entwicklung
Man kann sich fragen, warum wir dann überhaupt in die Öffentlichkeit getreten sind und nicht noch drei Monate weiterentwickelt haben. Der Grund: Internet. Ich könnte hier jetzt große philosophische Herleitungen hinschreiben über Erkenntnis und Netzwelt. Wie man sich ganz fest einreden kann, man wisse, wie es funktionieren müsse, und dann kommt es anders, weil: Internet halt. Stattdessen schreibe ich nur hin, dass sobooks sich entschieden hat, in der Öffentlichkeit zu reifen, um für die Öffentlichkeit zu reifen (naja, closed Öffentlichkeit, aber immerhin). Die Plattform, das Produkt und die Kommunikation drumherum sollen sich durch das Feedback der Nutzer verbessern. Dafür ist es nach unserer Erfahrung ratsam, der Programmiererweisheit „deploy early, deploy often“ zu folgen. Voilà.

Trotzdem haben wir natürlich einen Plan und sehr genaue Vorstellungen – wir sind bloß bereit und begierig, sie von der Nutzerschaft feinjustieren zu lassen. Es folgen einige Punkte und Bereiche, in denen wir in den nächsten Wochen aktiv sein werden.

Usability & Design

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Usability, Usability, Usability, das könnte man noch hundertmal hier hinschreiben und hätte auch beim hundertersten Mal noch recht. In den nächsten Wochen und Monaten, eigentlich für immer, muss die Benutzung von sobooks verbessert werden. Es folgen Punkte, die wir dabei bereits im Auge haben und an denen wir arbeiten.

  • Leute, die von außen in ein Buch gelenkt werden, haben derzeit wenig Chancen zu begreifen, worum es geht. Das muss verbessert werden, zB indem immer eine Seite des Buchs sichtbar ist. Wenn wir auch den allerbesten Schritt zur Verbesserung, die vollständige Öffnung, einfach noch nicht gehen wollen.
  • das Buchbild ist noch deutlich verbesserungsbedürftig, Fußnoten funktionieren nicht oder nicht richtig, die Formatierung ist, wenn man das positivstmögliche Wort dafür finden will, minimalistisch. Dazu gibt es zuviele leere Seiten dazwischen, die mindestens verwirrend, wenn nicht verstörend sind.
  • Text markieren mit der rechten Maustaste ist so mittel, wir arbeiten an Alternativen
  • mit Pfeiltasten umblättern/scrollen ist Bürgerpflicht
  • der Klick auf das Cover bei der Buchdetailseite führt zur allerseitigen Überraschung nicht ins Buch. Sollte er aber wohl. Und größer kann das Buchcover wohl auch werden.
  • Oft geschrieben, hier nochmal: dass man sich noch nicht allein mit einer Mailadresse anmelden kann, ist nicht gut und wird behoben, gleiches gilt für den Bezahlvorgang.
  • Sowie noch eine Reihe weiterer Kleinigkeiten und Großigkeiten, die Texte in der Requestern (so nennen wir die Fensterchen, die immer mal aufgehen), die sind noch nicht konsistent und ab und an wenig zielführend; dass man nach der Anmeldung automatisch auf sein Profil geführt wird und nicht dorthin, wo man war; und und und, wir haben jedenfalls zu tun die nächsten Wochen. Monate.

Social

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Erwartbarerweise ist das ein echter, konzeptioneller wie technischer Brocken: wie organisiert man sinnvollen Austausch im Buch? Hier haben wir Feedback unterschiedlichster Art bekommen, und auch dahingehend wird unser weiteres Vorgehen zart angepasst.

  • Die Aktivitätsanzeige zum Buch, die im Moment eher Pi mal Daumen drittelautomatisiert läuft, muss in eine echte, zeitbasierte, funktionale, feinjustierbare Angelegenheit gegossen werden.
  • Die Kommentare scheinen zu klein zu sein, auf dem iPad zum Beispiel
  • Die Schnellmeinungen sollten wohl a) noch schneller werden und b) anders organisiert werden, zum Beispiel durch eine räumliche Trennung von den Kommentaren
  • Die Profile der Kommentatoren sollten klickbar sein, damit man weiss, mit wem man diskutiert
  • Es sollte eine Art Kommentarstream geben, eine Übersicht über die Kommentare in einem Buch
  • Und natürlich die üblichen Mechanismen wie „abonnieren“, damit man überhaupt merkt, wenn jemand auf den Kommentar auf Seite 76 antwortet, den man vor zwei Stunden hinterlassen hat. Ohne ständig durchs Buch zu flippen.
  • Das Twitter-Sharing ist noch etwas kantig und soll verbessert werden
  • Die Facebook-Vorschau, also das Bildchen zum Buch, ist noch nicht so aussagekräftig, da soll das Cover hin samt Bauchbinde und Preisschildchen
  • Die Verlinkung von einzelnen Sätzen des Buchs ist geplant, aber noch nicht vorhanden
  • Die Heatmap sollte noch verbessert werden, was die Nutzerführung angeht, gerade für Nutzer mit, sagen wir, weniger gotischen Fingern
  • Sowie auch hier eine Reihe von vielen, vielen Dingen, die noch geschmeidiger gemacht werden müssen.

Etwas Schmuckes aus dem Bereich social dagegen: Autorin Kathrin Passig diskutiert in ihrem eigenen Buch „Die Wir-Verwirrung“ mit, wir heben die Autorenkommentare sehr deutlich heraus, und es fühlt sich ziemlich, ja, super an, in einem Buch drin über das Buch mit der Autorin zu diskutieren (auch, wenn da leider noch fehlerhafterweise „Autor Kathrin Passig“ steht):

 

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Aber, das wird häufig übersehen, social ist ja nichts ohne – das, worüber man überhaupt diskutieren kann. Und das sind natürlich bei uns Inhalte, Bücher, Textwerke. Wir machen auch in diesem Bereich jeden Tag Fortschritte (geht auch nicht anders).

 

Inhalte

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Und das – eigentlich, wenn sobooks ein gutfunktionales Zwischenstadium erreicht hat – Wichtigste: die Inhalte. An dieser Front tut sich im Hintergrund jeden Tag etwas, dankenswerterweise ist das Interesse der Verlage so riesig, dass wir gerade an den Strukturen zur Abarbeitung arbeiten. Das ist famos, aber das hat auf die Inhalte bezogen auch einige Folgen:

  • Natürlich wollen wir eine umfangreiche, kostenlose, rechtefreie Bibliothek aufbauen. Gerade weil sobooks ein neues Prinzip ist am Buchmarkt, brauchen wir Spielwiesen und Ausprobierbares, bevor Geld fließt. Und auch sonst, es sind unendlich viele, wunderbare Bücher rechtefrei. Und da leider, leider gutenberg.spiegel.de – so gut ich deren Existenz finde – sogar ein durchschnittliches Adobe-Produkt an Usability und Nutzerfreude noch unterschreitet (obwohl kaum möglich) soll wie gesagt sobooks hier intensiv ausgebaut werden. Aber im Moment ist die verlässliche Umwandlung eines Epub-Buchs in HTML noch eine recht zeitraubende Angelegenheit. Wir verbessern den Converter quasi stündlich, aber wir werden noch eine ganze Zeit brauchen, bis der Massenimport rechtefreier Bücher funktioniert.
  • Und wenn dann der Import supergeschmeidig fast von allein funktioniert, dann kommt ein Zusatzfeature dazu: der Eigenimport von Epubs. Da können dann Nutzer ihre Epubs hochladen, damit alle Bücher am gleichen Ort sind. Leider müssen wir bei solchen Werken die meisten sozialen Funktionen deaktivieren aus Rechtegründen. Aber ich glaube, auch da wird man früher oder später (rechtsverträgliche) Lösungen finden.
  • In den nächsten werden aber nach und nach immer mehr Inhalte eingestellt, wir haben schon einige neue Verträge machen können, auch wegen der sehr guten Besprechungen und dem Echo zur Buchmesse, übrigens. Ich denke, ab Anfang/Mitte November werden spürbar viele neue Bücher dazukommen, bis dahin stellen wir eher einzelne Werke nach und nach ein.

 

Und wo ich gerade dabei bin – habe ich mich eigentlich schon bedankt? Nicht nur bei den Nutzerinnen und Nutzern, die hier eifrig betatesten, sondern auch bei den Verlagen, die mitmachen und mitmachen wollen, bei den Autorinnen und Autoren, die großes Interesse haben, bei den Literaturagenturen – aber auch insbesondere bei unserem Team. In sind ca. 235 Artikel erschienen, wo der Tenor lautete „Sascha Lobos neues Pipapo“, aber die Wahrheit ist natürlich, dass das ganze Team dahinter supergrandiose Arbeit geleistet hat und noch leistet. Nämlich Oliver Köster, der CTO, Oliver Wagner, der Gestalter und CPO, Christoph Kappes, mein Cogeschäftsführer und Strukturzauberer (alle auch hier zu sehen), sowie die mehr als zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Danke, wa.

No Comments

  • Brett sagt:

    Alles sehr „exciting“ und mit Sicherheit weiterführend, egal wie und wohin es sich entwickelt.
    Etwas beängstigend, wenn ich mir vorstelle, die Diskussionen würden so hypertrophieren und diffundieren wie in den Foren unter Zeitungsartikeln, bei Facebook etc, das könnte die Produktivität und Nützlichkeit beeinträchtigen. Wie bleibt man fokussiert?
    Aber nicht nur daher ergänzungsweise ein Gedanke, ein „Add-on“: Ihr könntet mit der Plattform auch bestimmte „workflows“ unterstützen, z.B. an Uni oder in der Schule. Dazu wäre lediglich eine Funktion „Seminar“ nötig, mit der sozusagen – zusätzlich, also als optionale Seperation – ein geschlossener Lesekreis gebildet wird. Klingt „asozial“, wäre aber natürlich reizvoll für Schule und Uni, ob es um Klassiker-Lektüre geht, Shakespeare-Lektüre in der 12. Klasse auf englisch, oder „Soziologische Theorien im Überblick“ oder so und so. Ein wesentlicher Unterschied und ganz anderer Modus wäre, dass in den Seminaren an den Kommentierungen gearbeitet wird („Sehr schöner Gedanke. Können wir das noch besser ausdrücken?“) – am Ende bleibt nicht alles stehen und viele Anmerkungen werden im Laufe der Arbeit optimiert. Dabei müssten die Seminarräume ja nicht unbedingt von außen uneinsehbar sein, lediglich die Mitarbeit wäre den „Klassenangehörigen“ vorbehalten. Als beendetes Leseprojekt dann ab ins „Historisches Archiv der Gemeinschaftslektüre“, so dass man sich in 120 Jahren wundern kann, wie anders oder wie gleichartig man 2014 Shakespeare in der 12. Klasse durchgekaut und verstanden hatte.

  • […] Erste Schritte, nächste Schritte Sascha Lobo über künftige Features auf Sobooks: “Und wenn dann der Import supergeschmeidig fast von allein funktioniert, dann kommt ein Zusatzfeature dazu: der Eigenimport von Epubs. Da können dann Nutzer ihre Epubs hochladen, damit alle Bücher am gleichen Ort sind. Leider müssen wir bei solchen Werken die meisten sozialen Funktionen deaktivieren aus Rechtegründen. Aber ich glaube, auch da wird man früher oder später (rechtsverträgliche) Lösungen finden.” […]

  • Roland sagt:

    Jetzt wo das Projekt allem Anschein nach wohl gestorben ist, wäre ein Blogpost über die Gründe des Scheiterns sehr interessant und warum man das bis jetzt nicht offen kommuniziert… Danke.

    • Sascha Lobo Sascha Lobo sagt:

      Ein guter Hinweis darauf, endlich mal wieder ein Blogposting zu veröffentlichen. Kommt zeitnah 😉
      (denn natürlich läuft hinter der Kulissen die Entwicklung auf voller Betriebstemperatur, wir können es bloß nicht so zeigen).

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