Anmerkung: Sobooks startet zur Buchmesse im Oktober 2013 als Closed Beta. „Beta“ ist in diesem Fall nicht gelogen – es handelt sich auch um eine technische Testphase, hier und da werden noch Kabel heraushängen und irgendwo fehlen sich auch die Scheuerleisten.

E-Books können großartig sein. Genauer betrachtet sind E-Books aber nur das, was die Digitalisierung aus dem Buch gemacht hat. Wir wollen gemeinsam mit Lesern, Kuratoren, Literaturagenten, Verlagen und natürlich Autoren herausfinden, was das Internet und die sozialen Medien aus dem Buch machen. Deshalb gibt es Sobooks.

Sobooks hat drei Kernfunktionen:
• Sobooks ist eine digitale Buchhandlung und verkauft E-Books
• Sobooks ist ein kleiner Direktverlag für eigene, neue Formate*
• Sobooks ist eine Plattform, auf der man Bücher lesen und diskutieren kann

Internet
Sobooks ist rein digital und netzbasiert. Bücher lesen, Bücher kaufen, Bücher diskutieren – Sobooks findet komplett im Browser statt. Der Vorteil für den Nutzer ist, dass jedes gekaufte Buch auf jedem Gerät mit halbwegs modernem Browser gelesen werden kann.

Eine lustige Erkenntnis von Max Goldt hilft verstehen, weshalb es Sobooks geben muss. „Headshops sind Läden, in denen es alles gibt, was man zum Kiffen braucht. Außer dem einzigen, das man wirklich zum Kiffen braucht.“ Genauso verhält es sich mit Büchern: im Internet findet sich vom Cover über Rezensionen bishin zu kurzen Lesepröbchen wirklich alles über Bücher. Aber nicht die Bücher selbst. Sobooks ändert das.

Jeder Satz eines Buchs bei Sobooks ist von außen verlinkbar. Wenn man einem Link in ein Sobook hineinfolgt, kann man eine Seite lesen. Wenn man sich bei Sobooks kostenlos registriert, kann man ein paar mehr Seiten im Buch lesen – wenn man das Buch ganz lesen möchte, muss man es kaufen. Eigentlich ganz simpel.

Soziale Medien
Der Begriff Sobooks ist natürlich eine Kurzform von Social Books. Harry Potter, Fifty Shades of Grey, Digitale Demenz – über wenig wird soviel gesprochen wie über Bücher. Gleichzeitig sind soziale Medien das wichtigste digitale Gesprächsmedium geworden. 2013 benutzen über 26 Millionen Personen in Deutschland Facebook. Sobooks ist die logische Schlussfolgerung aus diesen beiden Tatsachen.

Buchdiskussion
Social Reading ist nicht nur ein Schlagwort, das jeder normalen Person bereits nach dreimaligem Aussprechen albern vorkommt. Social Reading ist auch eine Bezeichnung für eine sehr alte Eigenschaft von Büchern: sie werden wertvoller, wenn man sich darüber austauscht. Sobooks bringt die Diskussion um Bücher in das Buch hinein, denn wir glauben, dass es keinen natürlichereren Ort gibt, über ein Buch sprechen. Es gibt dafür bereits viele unterschiedliche Ansätze von Unternehmen wie dotdotdot.me oder readmill.com, aber unsere Herangehensweise ist in einigen wichtigen Punkten anders und neu.

Grundsätzlich sind bei Sobooks alle sozialen Features wie Kommentare ausblendbar, denn in einem Buch ist es wie im Leben: manchmal nerven wirklich alle und man will seine Ruhe. Abseits davon ermuntert Sobooks die Leser, im Buch zu diskutieren. Dafür führen wir die Paginierung wieder ein – das bedeutet, bei Sobooks ist auf der Seite 37 immer der gleiche Text. Egal, wie groß die Schrift ist oder wie man sein Tablet hält. Auf jeder Seite findet sich ein Button „Zur Diskussion einladen“, Kommentare beziehen sich immer auf einzelne Seiten.

Nach unserer Erfahrung ist die Stimmung für jede Art von digitaler Diskussion essentiell. Deshalb möchten wir darauf achten, dass in Büchern nicht aggressiv gepöbelt wird. Zum einen gibt es eine freundliche, aber durchsetzungsfähige Buchmoderation. Zum anderen lassen sich Kommentare einzeln melden. Kritik, auch negative, ist aber selbstverständlich erwünscht.

Ein zentraler Vorteil von Sobooks ist, dass wir viele Instrumente haben, die die Plattform für Autoren interessant machen. Eines davon sind eigene Autorenprofile. Wenn Autoren in ihren eigenen Büchern mitdiskutieren, werden sie besonders gekennzeichnet.

Datensparsamkeit
Das Modell von Sobooks existiert in dieser Form bisher nicht. Deshalb wollen und müssen wir lernen, was für den Buchverkauf, die Diskussion darin und für die Leser selbst gut ist. Dazu erheben wir anonymisiert Nutzungsdaten der Bücher, gut vergleichbar mit Statistiktools auf gewöhnlichen Webseiten. Uns ist vollkommen bewusst, dass Bücher lesen und diskutieren ein sehr intimer Akt sein kann, erst recht in Zeiten von #Prism. Deshalb setzen wir auf die Datensouveränität der Nutzer: wer bei Sobooks für Dritte unsichtbar sein möchte, kann das mit einem Klick auf seinem Profil erreichen. Aber Vorsicht: digitale Privatsphäre im Zusammenwirken mit sozialen Netzfunktionen ist eine höchst komplexe Angelegenheit, technisch gesehen. Den Nutzern auf Wunsch völlige Unsichtbarkeit zu garantieren, ist unser erklärtes Ziel, das wir erst im Verlauf der Closed Beta erreichen werden.

Weil wir ein kleines Unternehmen sind, können wir einige wichtige Features erst nach und nach einbauen. Zu Beginn ist es noch notwendig, sich mit einem Facebook-Account anzumelden. Wir arbeiten aber mit höchster Priorität daran, dass sich Nutzer auch nur mit einer Mailadresse bei Sobooks anmelden können. Ähnlich verhält es sich mit der Bezahlung: wir beginnen mit PayPal und ergänzen die Zahlungsmethoden nach und nach.

Technologie
Sobooks wird weitgehend mit HTML5 realisiert. Das hat einige Vorteile, zum Beispiel lassen sich die damit dargestellten Inhalte auf den meisten Geräten darstellen. Ein Nachteil ist allerdings (noch), dass ein einigermaßen moderner Browser verwendet werden muss. Zu Beginn ist Sobooks auf normale Computer und auf Tablets wie das iPad zugeschnitten. Als Browser empfehlen zur Nutzung wir Chrome, Firefox oder (Mobile) Safari. An der Optimierung für Smartphones wird mit zweithöchster Priorität bereits gearbeitet, ebenso für andere Browser (außer Internet Explorer 7 und kleiner, und zwar aus Rache für die erlittenen Schmerzen). Wir sind der Auffassung, dass man Lesern nicht vorschreiben sollte, auf welchen Geräten sie ihre Bücher zu lesen oder nicht zu lesen haben.

Schwächen
Weil der Ansatz von Sobooks neu ist, gibt es mit Sicherheit Schwächen. Von einigen wissen wir bereits, andere werden auftauchen. Wir möchten versuchen, mithilfe der Autoren, Agenten, Verlage – vor allem aber mithilfe der Leser die Schwächen von Sobooks zu minimieren. In Kürze werden wir auch ein Meldesystem für Bugs einführen.
Aber es gibt natürlich nicht nur Bugs, sondern auch konzeptionelle und technische Schwierigkeiten. Hier ist eine kurze Aufistung davon:

• Sobooks kann man (fast) nur online lesen.
Lösung: In der Tat ist das ein Nachteil des browserbasierten Lesens. Wir arbeiten daran auf zwei Arten: zum einen entwickeln wir währen der Closed Beta einen intelligenten Caching-Mechanismus, so dass beim ersten Klick auf das Buch das gesamte Buch geladen werden wird. Für das Flugzeug und wackelige Verbindungen in der Bahn sollte das ausreichen. Zusätzlich werden bald Apps für iOS und Android veröffentlicht, mit denen man die gekauften Bücher auch komplett offline zum Beispiel im Urlaub lesen kann.

• Sobooks ist ein sehr junges Unternehmen, und bei aller Liebe weiß man nicht, ob es in 25 Jahren noch existiert. Wenn es aber je offline gehen sollte, nützt der Zugang zu den gekauften Büchern nichts mehr.
Lösung: Weil das trotz der Famosität von Sobooks eine nachvollziehbare Sorge ist, möchten wir zu jedem gekauften Buch die Möglichkeit des Downloads als epub-Datei oder PDF anbieten. Allerdings erfordert diese Maßnahme ein gewisses Umdenken vor allem der Verlage, deshalb können wir den zusätzlichen Datei-Download nicht bei allen Büchern anbieten. Wir können aber versprechen, darauf hinzuarbeiten – denn unsere Haltung ist: wer ein Buch kauft, kauft ein Buch.

• Sobooks ist ziemlich stark auf die großen Social Networks zugeschnitten. Zu stark.
Lösung: Natürlich träumen wir davon, eine riesige Buchcommunity zu schaffen, die losgelöst von Facebook funktioniert, wo also alle sozialen Buchaktivitäten auch ohne Mitgliedschaft auf anderen Plattformen Sinn ergeben. Aber bis es soweit ist, dass wir bei Sobooks selbst über die entsprechenden Funktionen und eine kritische Masse von Nutzer verfügen, schmiegen wir uns in kritischer Halbdistanz an die bekannten Netzwerke wie Facebook, Twitter und Friendster Google Plus.

Stärken
Jahaa, Sobooks hat auch Superkräfte, die sonst niemand anbietet. Unsere größte Stärke ist, dass Sobooks im Netz stattfindet. Deshalb funktionieren die meisten famosen Dinge, die das Internet groß gemacht haben, auch mit den Büchern, die man hier kauft.

• verlinken: jeder Satz in einem Buch bei Sobooks lässt sich von außen verlinken. Der Link ist die machtvollste Erfindung des gesamten Netzes, es ist eigentlich unverständlich, dass er bisher nicht für Bücher genutzt wird.

• soziale Funktionen: soziale Netzwerke, Nutzerplattformen und Blogs machen heute einen Großteil des Internet aus. Bei Sobooks kann man deshalb jede Seite und jeden einzelnen Satz in Büchern liken, zitieren, empfehlen.

• diskutieren: nach unserer Meinung gibt es keinen besseren Ort, über Bücher zu diskutieren als im Buch selbst. Weil bei Sobooks anders als bei den meisten E-Books die Buchseiten erhalten blieben, ist die Diskussion auf jeder Seite einzeln angesiedelt. Dementsprechend kann man andere auf jede Seite einzeln zur Diskussion einladen.

Neben den naheliegenden Internet-Superkräften wird Sobooks aber auch andere Stärken haben. Wir versuchen, das Buch im und mit dem Netz weiterzuentwickeln. Allein aus diesem Anspruch werden sich eine Reihe von Features ergeben. Seien Sie gespannt.